Schauspielhaus Graz: Der Fall Dorfrichter Adam. Ein Beitrag zum Kleist-Jahr
Der Regisseur Boris Nikitin beschäftigt sich mit dem Medium Sprache und Sprechen auf der Bühne. Er unternimmt mit einem Schauspieler und einem Sprecherzieher anhand von Kleist eine Berufsbefragung: Zwei Experten für glaubwürdiges Verstellen verhandeln ihren Fall. Sie erforschen und präsentieren ihre Techniken und Möglichkeiten, ihre Erfolge und ihr Scheitern am Versuch Wahrheit und Wahrhaftigkeit mit Sprache herzustellen. Der Fall Dorfrichter Adam ist ein theatraler Essay über das Verhältnis von Sprache und Körper, Wahrheit und Schein, Rolle und Identität — im Theater und im Leben. Wie kaum ein anderer hat Heinrich von Kleist (1777-1811) an der Bürde der sprachlichen Subjektivität gelitten. Eigene und fremde Sprach-, Wirklichkeits- und Identitätskrisen dominieren sein schriftstellerisches Werk. Immer wieder benutzt der gewaltige Sprachmeister die Mehrdeutigkeit der Sprache, um genau die Problematik ihrer Unzuverlässigkeit aufzuzeigen. Er führt die Sprache in der höchsten Krise zwischen Bewährung und Scheitern vor und stellt damit radikal das Mittel seiner künstlerischen Darstellung wie auch die Konzeption von Wahrheit und Erkennbarkeit der Welt in Frage. Dorfrichter Adam verhandelt seinen eigenen Fall. In Kleists Der zerbrochne Krug tritt er als Richter in einem Prozess auf, bei dem er gleichzeitig der Schuldige ist. Mit allen Mitteln versucht er, die Wahrheit zu verbergen und zieht sämtliche Register des verschleiernden Sprechens: von Ablenkungen durch nichtssagende …

